Greta Thunbergs Segeltörn – sinnvoll oder nicht?

Die erst 16-jährige Klimaaktivistin Greta Thunberg hat vor ein paar Tagen New York erreicht. Mit ihrer Segelreise über den Atlantik sorgte sie weltweit für Aufsehen – handelte sich aber auch Kritik ein, denn: Wie es hieß, sollen etwa fünf Personen das Boot zurück nach Europa segeln – Personen, die hierzu zunächst per Flugzeug nach New York fliegen. Genau das verhagelt der jungen Greta Thunberg die CO2-Bilanz. Wäre sie nach New York geflogen anstatt dorthin zu segeln, hätten diese fünf Personen nicht fliegen müssen. Es wäre also nur eine Person, Greta Thunberg, geflogen, und nicht um die fünf. Die CO2-Bilanz würde dann deutlich besser aussehen. Da darf man sich selbstverständlich fragen: War Greta Thunbergs Aktion sinnvoll – oder ist das Gegenteil der Fall?

Meine Meinung lautet: Die Aktion war insofern sinnvoll und wichtig, als dass Greta Thunberg wirkungsvoll PR für den Klimaschutz gemacht hat – trotz schlechter CO2-Bilanz. Denn ihr Segeltörn und damit der Klimaschutz schafften es weltweit in die Schlagzeilen. Und das auf besonders symbolische, bildhafte Weise: Greta Thunberg, eine Jugendliche, fast noch ein Kind, steht symbolisch für eine neue Bewegung – eine Bewegung, welche die Welt unbedingt braucht, wollen wir verhindern, dass das Klima sich weiter zum Nachteil von Mensch und Tier, von Natur und Umwelt verändert. Wie eine Galionsfigur stand Greta auf der Segelyacht – eine mahnende Galionsfigur, eine Figur, die uns alle wachrütteln will, die uns dazu bringen will, unser Leben so zu verändern, dass wir dem Klima nicht länger schaden.

Gut, dass es eine Jugendliche war und nicht ein Erwachsener. Ein so junger Mensch erreicht viel mehr Aufsehen als ein alter. Der Name Greta Thunberg ist zur Klimaschutz-Marke geworden, die fast jeder kennt. Fast alle Menschen kennen den Namen des Mädchens, und fast jeder sieht, wenn er den Namen gehört, das Gesicht dieser entschieden auftretenden Jugendlichen vor seinem inneren Auge.

Klar: Greta Thunberg polarisiert. Sie wirbt für Klimaschutz, doch nicht jeder will das Klima schützen. Denn Klimaschutz bedeutet, sich in Verzicht zu üben. Das passt nicht jedem. Großes Auto mit hohem Spritverbrauch? Das geht dann nicht mehr. Es verwundert deshalb nicht, dass manch Fahrer eines solchen PS-Monstrums sich bereits einen „Fuck You, Greta!“-Aufkleber auf den Lack geklebt hat.

Gerade dieser Aufkleber zeigt, wie sehr Greta Thunberg bei den Menschen ankommt. Wenn auch in diesem Fall eher im negativen Sinne. Aber sie kommt an – und das ist es, was zählt. Wenn ein 50-jähriger, gut verdienender Sportwagenfahrer das Bedürfnis verspürt, einem 16-jährigen Mädchen zu antworten, indem er einen Aufkleber an sein Auto anbringt, dann zeigt das: Greta Thunberg hat ihn erreicht.

Und weckt es nicht auch irgendwie das schlechte Gewissen – in dem Sportwagenfahrer und in uns allen –, wenn ausgerechnet ein so junger Mensch uns zum Umdenken mahnt? Wenn eine 16-Jährige uns daran erinnert, dass wir dem Klima schaden, anstatt es zu schützen?

Die 16 Jahre junge Greta Thunberg hat den Sportwagenfahrer an seiner empfindlichsten Stelle getroffen. Und nicht nur ihn. Sie trifft uns alle. Denn in irgendeiner Form schaden wir derzeit alle dem Klima.

Kein Politiker, keine Umweltschutzorganisation schafft, was Greta Thunberg schafft. Greta Thunberg (und die Menschen, die hinter ihr stehen), machen so erfolgreich Klimaschutz-PR wie niemand anderes. Deshalb sind ihre Aktionen sinnvoll – aktuelle CO2-Bilanz hin oder her.

Marcel Maack
Diplom-Journalist • Autor • Biograf • Texter • Moderator • Vortragsredner • Dozent
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