Apothekerin hinter Glas, Ärztin mit Atemschutzmaske

Unsere Hausärztin trägt jetzt eine Atemschutzmaske. Symbolfoto: pixabay.de

Heute muss ich das Haus verlassen. Gleich mehrere notwendige Erledigungen stehen an. Also rein ins Auto und vom Dorf in den Ort gefahren. Viel los ist auf unseren Straßen nie, doch heute ist’s auf ihnen noch leerer. Kaum ein Auto kommt mir entgegen, und erst im Ortskern treffe ich auf ein paar Fußgänger.

Die Tierärztin hat die Schichten anders eingeteilt, damit nicht mehrere Mitarbeiter gleichzeitig anwesend sind. Ich muss nur eine Augensalbe für unsere Katze rausholen. Unsere betagte Samtpfote hat Bindehautentzündung, ihr Auge braucht Behandlung. Wer ins Wartezimmer muss, möge Abstand zu anderen Anwesenden halten, erfahre ich.

Abstand halten auch vor der Apotheke. Jawohl, davor! Es dürfen sich nur vier Kunden gleichzeitig im Gebäude aufhalten, der Rest wartet draußen und hält Abstand zu den Personen vor und hinter sich. Als ich ein paar Minuten später rein darf, staune ich nicht schlecht: Vor den Tresen ist rot-weißes Absperrband gespannt, damit Kunden sich nicht zu dicht vor die Apotheken-Angestellten stellen. Die Apothekerin und ich begrüßen einander, und erst danach merke ich, dass sich zwischen uns eine Glasscheibe befindet. Die Medikamente, die ich benötige, bezahle ich mit EC-Karte. Das Kartenlesegerät sei frisch desinfiziert, versichert mir die Apothekerin.

Vorm und im Supermarkt halten die Menschen weit weniger Abstand. Frauen stehen einander auf dem Parkplatz direkt gegenüber, halten ein Schwätzchen. Ich kaufe Obst, Gemüse, Milch. Die Obst- und Gemüse-Abteilung, die vergangenen Freitag fast leergefegt war, ist wieder randvoll gefüllt. Auch Milch gibt’s reichlich, allerdings ist die Bio-H-Milch ausverkauft. Ziemlich abgegrast auch das Nudelregal, aus dem ich zwei Pakete Spaghetti entnehme. Ich habe Glück, denn es gibt noch genau zwei Gläser Bolognese-Sauce. Von verschiedenen Herstellern zwar, aber das ist mir egal. Aus der Konserven-Abteilung nehme ich zwei Dosen Hühnersuppe mit, mehr ist laut daneben hängendem Info-Zettel nicht zulässig. Beschränkungen auch beim Toilettenpapier: Nur ein Paket pro Kunde – damit jeder etwas abkriegt. Immerhin: Es sind wieder große Mengen vorrätig, letzten Freitag war Klopapier komplett ausverkauft, und die nächste Lieferung wurde erst für Montag erwartet. Beruhigend auch: Die Zettel in der Getränkeabteilung, denen zufolge Getränke nur in haushaltsüblicher Menge gekauft werden durften, sind verschwunden. Ich nehme ein Sixpack Mineralwasser in 1,5-Liter-Flaschen mit.

Später muss ich mit meiner Partnerin zur Hausarztpraxis. Meine Liebste war vor ein paar Wochen schon dort, sie wird einen Infekt – kein Coronavirus ! – nicht los. Empfand ich bereits das Absperrband und die Glasscheibe in der Apotheke als bedrückend, so wird dieses Gefühl in mir nun nochmals stärker, denn: Die Ärztin trägt eine Atemschmutzmaske.

Bei ihrem Anblick spüre ich den Ernst der Lage gleich noch ein Stück mehr…